Samstag, 16. Februar 2008

Worauf man bei der Wahl eines Praktikums in Indien achten sollte

So langsam neigt sich meine Zeit in Indien dem Ende zu. Mit einem lachenden und einem weinenden Auge werde ich dieses Land am 26. Februar wieder verlassen. Ich habe mich schon sehr an die guten Seiten des Lebens hier in Indien gewöhnt und die Arbeit macht sehr viel Spaß. Aber ich möchte auch endlich meine Familie und Freunde wiedersehen. Das Erste, was ich in Deutschland allerdings mache, ist eine Currywurst mit PommesMayo zu essen und dazu ein Weißbier zu trinken :)

Ich würde die Zeit hier in Indien auf keinen Fall missen wollen. Ich habe viel gesehen und erlebt und auch einige gute Freundschaften geschlossen. Ich kann nur jedem empfehlen, so ein Praktikum zu machen. Und daher gebe ich mal ein paar Tipps, worauf man alles achten sollte. Natürlich hat jeder andere Interessen, daher entsprechen die Tipps nur meiner Sichtweise.

Der Ort
Die Wahl der Stadt ist sehr wichtig und man sollte sehr auf regionale Gegebenheiten achten. In einigen Teilen Indiens gibt es z. B. ein Alkoholverbot oder einen Vegetarier-Anteil von 90%, so dass es fast unmöglich ist, an vernünftiges Fleisch zu kommen. Und auch wenn eine Stadt zwei Millionen Einwohner hat, heißt das noch lange nicht, dass da "was los ist". Die bekannten Städte wie Delhi, Mumbai oder Kolkata haben weit über zehn Millionen Einwohner und auch Bangalore hat ca. 6 Millionen. Clubs und Restaurants, wie man sie von zu hause aus kennt, findet man nur in solchen Metropolen oder in touristischen Gebieten wie Goa. Jetzt denkt ihr euch vielleicht, 'ich gehe doch nicht nach Indien, um alles so vorzufinden wie zu hause'. Dazu kann ich nur sagen, es ist nicht wie zu hause, aber es ist schon ab und zu ganz angenehm, nichts indisches zu essen, sondern z. B. zu einem Italiener gehen zu können.

Wenn ihr euch eine Stadt an der Küste heraussucht, dann erwartet nicht unbedingt schöne Strände. Meistens sind die Strände in der Nähe von großen Städten nicht benutzbar. In Mumbai fängt es zum Beispiel bestialisch an zu stinken, sobald man sich dem Meer nähert. Und mir wurde gesagt, dass man vier Stunden aus der Stadt heraus fahren muss, bis man zu einem sauberen Strand kommt. Wenn einem Strandnähe wichtig ist, sollte man sich am Besten für Goa entscheiden (dort gibt es auch Niederlassungen von vielen großen Firmen wie Siemens, Bosch oder D-Link).

Das Klima
Mai, Juni und Juli sind hier in Indien die heißesten Monate. Danach folgt der Monsun, wo in vielen Gegenden die Luftfeuchtigkeit abartig hoch ist. September bis Februar ist die angenehmste Zeit des Jahres und die beste Reisezeit. Bei der Wahl des Ortes sollte man vorher einen Blick auf das Klima werfen. Bangalore hat von allen Städten das beste Klima. Im Winter wird es nie richtig kalt (nachts nicht unter 12°C) und im Sommer nicht zu heiß (vielleicht 35°C bis 38°C). In Delhi ist es im Winter nachts unter 0°C kalt und im Sommer tagsüber über 40°C heiß. Das ist nicht wirklich angenehm. Je näher man den Küsten kommt, desto höher ist meist auch die Luftfeuchtigkeit. Ich hätte es z. B. in Chennai keine sechs Monate ausgehalten.

Der Arbeitgeber
Indische Unternehmen zahlen Praktikanten in der Regel kein so hohes Gehalt, so dass man unter Umständen noch etwas drauflegen muss. Europäische und amerikanische Firmen zahlen da meist mehr, wobei SAP am meisten zahlt :) Auch die Zusatzleistungen sind sehr verschieden. Einige Unternehmen stellen den Praktikanten kostenlos Wohnungen zur Verfügung und bieten für die Mitarbeiter einen Bus-Shuttle-Service zur Arbeitsstelle und zurück, sowie freies Frühstück-, Mittag- und Abendessen an. Wenn man all das selbst bestreiten muss, dann sollte man schon ein paar hundert € im Monat zur Verfügung haben. Für eine Unterkunft ist man schnell 200€ und mehr los. Wobei es hier in Bangalore z. B. so gut wie keine Single-Wohnungen gibt. Wenn man gerne in Clubs geht, muss man auch schon mit deutschen Preisen rechnen.
Auch sollte man darauf achten, dass man Urlaub bekommt, weil man viele Reisen nicht an einem normalen Wochenende schaffen kann. Und man ist ja schließlich auch hier, um das Land kennen zu lernen.
Aber am Wichtigsten ist natürlich, dass man sich in dem Unternehmen wohl fühlt! Das muss allerdings jeder selbst herausfinden.

Sonntag, 3. Februar 2008

Fleischpreise

Um euch in Deutschland mal ein bißchen neidisch zu machen, möchte ich nur mal sagen, das Rindfleisch hier in Indien das billigste Fleisch ist :) Aufgrund der geringen Nachfrage von Rindfleisch ist Lamm-, Huhn- und Schweinefleisch teurer. Daher ist das Millers 46 Steakhouse auch ein eher günstiges unter den gehobeneren Restaurants. Auf auf nach Indien, liebe Steak-Freunde.

Ein ganz normaler Sonntag - mit Austern und Champagner :)

Heute haben wir uns mittags im Olive Beach eingefunden, da wir Simone den Sonntagsbrunch zum Geburtstag geschenkt hatten. Dort gibt es von Zwölf bis Vier ein All-you-can-Eat-and-Drink-until-you-Drop Angebot und das haben wir restlos ausgeschöpft. Mit Wein, Champagner und Cocktails haben wir unsere Kehle befeuchtet und uns in unzähligen Gängen am mediterranen Buffet gelabt.

Von Salaten über Brote, Aufschnitt, Pasta, bis hin zu Hummerschwänzen und Austern gab es alles, was uns glücklich macht :)

Zum Nachtisch gab es noch Kuchen, Früchte und frische Waffeln.

Das Ambiente ist sehr gediegen: von hohen Mauern vom Straßenlärm abgeschottet, sitzt man in einem mit weißen Kieseln und kleinen Teichen angelegten Garten. Es gibt auch eine Dachterasse, aber leider hatten wir zu spät reserviert.

Leider hatten wir einige Ausfälle: Alex hat sich an seinen letzten Tagen in Indien (am Dienstag morgen geht es für ihn zurück) so richtig erkältet und Hendrik liegt im Krankenhaus, da sein Unfall doch nicht so glimpflich ablief: Jetzt hat er eine Titanplatte mit sechs Schrauben im Bein. Das Krankenhaus macht aber einen sehr guten Eindruck - freundlicher als deutsche Krankenhäuser. Da hätte ich auch keine Bedenken gehabt, mich operieren zu lassen. Und mit etwas Glück wird er Morgen schon entlassen.

Donnerstag, 31. Januar 2008

Einmal Hippie und zurück - Goa

Letzten Samstag ging es für Simone, Alex, Sven, Hendrik, Stefan und mich nach Goa, eine kleine Region an der Westküste Indiens, die vor allem als ein Ort für Aussteiger und Hippies bekannt ist. Für vier Tage hieß es Sonne, Strand, Meer und vieeel Seafood!

Wir sind allerdings nicht alle auf gleichem Wege ans Ziel gekommen. Während Simone, Alex und ich den Pussyweg per Flugzeug genommen haben, sind Sven, Hendrik und Stefan mit einem Geländewagen und zwei Enfield-Motorrädern unterwegs gewesen. Die 15-stündige Fahrt sah man ihnen schon an, ...

...aber sie haben es nicht bereut.

Am Flughafen in Goa angekommen, sind wir ca. 1 1/2 Stunden mit einem Taxi zur Palolem Beach gefahren. Dort haben wir auch die restlichen vier Tage verbracht. Es gibt zwar viele schöne Strände in Goa, aber wir haben in Palolem nichts vermisst und es war auch nicht überfüllt. Daher hatten wir keine Lust, unsere Zeit damit zu verschwenden, von einem Strand zum Anderen zu fahren.

In Palolem haben wir uns als Erstes mit Christian getroffen, der erst in Bangalore, jetzt aber bei Bosch in Goa arbeitet. Nach einer ordentlichen Stärkung haben wir uns dann eine nette Hütten am Strand gesucht und sogar welche mit eigenem Klo und Dusche für 300 Rupees die Nacht gefunden.

Erwähnenswert ist die indische Müll-Recycling-Anlage direkt hinter unserer Hütte :)

Anschließend ging es dann natürlich gleich ins Meer.

Abends um Sieben kamen dann die Anderen in Palolem an und wir haben uns gleich ein nettes Seafood-Lokal gesucht. Entlang des kompletten Strandes wechseln sich Hütten und Restaurants ab. Die Restaurants bieten alles an, was man sich vorstellen kann: Indisch, Chinesisch, Thai, Israelisch, Steaks, Pasta, Pizza, Sandwiches und natürlich frischen Fisch, Garnelen, Krebse und Hummer. Essen und Getränke sind dort sehr günstig. Ein großes (0,66l) Kingfisher kostet nur 60 Rupees (in Bangalore müssen wir oft für ein kleines (0,33l) Bier schon 150 Rupees zahlen). Die meissten Hauptgerichte liegen zwischen 40 und 150 Rupees, nur frisches Seafood kostet vergleichsweise viel (300 bis 500 Rupees).

In den folgenden Tagen lagen wir entweder am Strand, ...

...haben im Meer geplantscht, Beach-Volleyball gespielt, sind shoppen gegangen...

...und vor allem haben wir ständig gegessen.

Nur Sven musste zwischendurch noch ein wenig arbeiten.

Wir wurden allerdings sehr davon überrascht, dass es nachts sehr kalt wurde. Wir mussten in Jeans und Pulli schlafen und nach der ersten Nacht haben wir uns erst einmal Decken gekauft. Selbst Christian war überrascht, wie kalt es nachts wurde.

Natürlich mussten wir uns den Strand mit Hunden...

...und Kühen teilen. Aber daran haben wir uns mittlerweile gewöhnt.

Am letzten Tag mussten sich Sven, Hendrik und Stefan früh um Acht auf den Weg zurück machen. Simone, Alex und ich konnten den Vormittag noch am Strand genießen. Wir haben nach einem ausgiebigen Frühstück eine Bootstour gemacht, um Delfine zu sehen...

...und anschließend noch eine Stunde am abgelegenen Butterfly Beach zu relaxen.

Nach dem Mittagessen ging es dann zurück zum Flughafen und um fünf Uhr nachmittags kamen wir wieder in Bangalore an. Das war der erste Ausflug, bei dem wir nicht früh morgens erst wieder zurückkamen und gleich ins Büro mussten. Das war eine sehr angenehme Abwechslung.

Leider lief die Rückreise der anderen Drei nicht ganz so glatt ab. Hendrik ist mit einem anderen Motorrad zusammengekracht und hat sich den Fuß verletzt. Glücklicherweise ist es wohl nichts Ernstes, aber er wird wohl die nächste Zeit auf Krücken unterwegs sein. Das Motorrad war nach dem Unfall auch nicht mehr fahrtüchtig und so haben die Drei den Rest der Strecke im Auto zurückgelegt. Die Motorräder werden irgendwann von einer Spedition abgeholt.