Sonntag, 7. Oktober 2007

Chennai und Pondicherry

Jetzt reiche ich endlich meinen Reisebericht vom letzten Wochenende nach. Freitag Nacht flogen Alex und ich mit einer Stunde Verspätung um 23:30Uhr am Flughafen in Bangalore los nach Chennai (früher Madras). Chennai liegt an der indischen Ostküste. Der Flug dauerte nur eine dreiviertel Stunde. Im Lonely Planet haben wir uns eine Straße ausgesucht, an der es einige Mittelklassehotels geben sollte. Wir haben uns ersteinmal von einer Rikscha zum Hotel Comfort bringen lassen. Als wir in der Straße ankamen, waren wir total geschockt - überall auf den Bürgersteigen lagen Menschen herum am schlafen, zum Teil ganze Familien. Oft waren es glaube ich auch die Ladenbesitzer, die einfach direkt vor ihrem Laden geschlafen haben. Damit hatten wir nicht gerechnet. Wir haben uns da so unwohl gefühlt, dass wir uns nicht getraut haben, Fotos zu machen. An dieses Bild muss man sich allerdings gewöhnen, denn es sieht in der ganzen Gegend nicht anders aus. Auch in Pondicherry lagen die Menschen an der Straße herum.

Eine zutreffende Beschreibung für Indien hat mal ein Praktikant gegeben, mit dem ich abends zusammensaß: Einzigartig an Indien sei, dass man es nicht schaffe, die Armut nicht zu sehen. In anderen ärmeren Ländern gibt es in den Städten Armenviertel und Reichenviertel und wenn man die Reichenviertel nicht verlässt, kommt man mit der Armut so gut wie nie in Berührung. In Indien ist das anders. Hier gibt es natürlich auch Reichenviertel, aber meistens kommt man schon mit der Armut in Berührung, wenn man das Haus verlässt. Es laufen überall arme Leute herum, Müll liegt auch in den Straßen der Reichen und es kommt auch vor, dass an der einen Straßenseite hübsche Häuser und an der anderen Straßenseite Zelte aus blauer Folie stehen. Ich kann allerdings nicht wirklich beurteilen, ob es kein anderes Land gibt, in dem es auch so ist wie hier. Dafür bin ich einfach noch nicht weit genug herumgekommen.

Dennoch will ich Indien nicht schlecht machen. Indien ist ein schönes Land. Man muss sich halt nur darauf einstellen, dass die Armut einfach überall zu sehen ist. Und bisher habe ich mich noch nie unsicher gefühlt, auch nicht in Chennai. Dort war es eher ein Unwohlsein, weil ich einen solchen Anblick aus Bangalore nicht gewohnt war. Sozusagen ein zweiter Kulturschock.

Wir haben dann im Hotel Comfort eingecheckt, auch wenn es mal wieder eine Absteige war. Mittlerweile war es allerdings schon 2Uhr morgens, so dass wir keine Lust mehr hatten, ein anderes Hotel zu suchen.

Am nächsten Tag haben wir uns dann Chennai angeschaut. Dem Kappaleeschwarar-Tempel haben wir einen Besuch abgestattet und anschließend der St. Thomas Kirche. Dann sind wir zum Strand gegangen, allerdings war es so heiß, dass man es am Strand nicht ausgehalten hat. Aber es war natürlich auch zu heiß für Sightseeing, so dass wir uns in ein klimatisiertes Restaurant geflüchtet haben. Zum Restaurant sind wir mit einer Rikscha gefahren und der Fahrer hat uns erzählt, dass er Student sei und auch einen Freund in Deutschland hätte. Wir hatten dann ein bisschen Stress mit ihm, weil wir uns nicht auf einen Preis einigen konnten und irgendwann wollte er dann 20€ von uns haben für einen Weg von ca. 2km. Als ich ihm aber dann erklärte, dass 20€ über 2000 Rupees wären, hat er nur ganz erschrocken geschaut und sich dann mit 50 Rupees zufrieden gegeben.

Indien - Chennai und Pondicherry


Am Nachmittag ging es dann mit einem Bus nach Pondicherry oder kurz Pondy (ca. 3 1/2 Std.), einem netten kleinen Ort mit französischem Einfluß und sehr schönen Stränden. Auf der Fahrt konnte man deutlich die Folgen des Tsunamis sehen, der auch Chennai und Pondicherry verwüstet hatte. Die Straße verlief lange Zeit 200 bis 300m vom Strand entfernt an der Küste entlang und man sah häufig nur leere Flächen mit noch sehr jungen Pflanzen. Und die wenigen Häuser sahen so aus, als wäre die Farbe noch nicht trocken. Da ist wohl damals nichts mehr stehengeblieben. In Pondy selber sah man allerdings nichts mehr von den Schäden.

Nachdem wir abends in der Stadt ankamen, sind wir noch ein Stück raus zur Reppo-Beach gefahren und haben uns da in einer kleinen Hütte direkt am Strand einquartiert. Die Hütte hat für drei Nächte 1200 Rupees (~22€) gekostet. Dann ging es abends noch in ein französisches Restaurant in Pondy.

Die nächsten 2 1/2 Tage haben wir fast ausschließlich am Strand verbracht. Das Meer hatte herrliche 30°C und die Wellen waren so hoch, dass man richtig herumgewirbelt wurde. Zum Essen sind wir meistens nach Pondy gefahren und haben die französische Küche genossen.

Der Strand war meist bevölkert von Indern, die einfach den Touristen beim Baden zugeschaut haben. Viele möchten auch Fotos mit einem machen und die Kinder lieben es, fotografiert zu werden. Einmal war ein ca. 2-jähriger blonder Junge am Strand und die Inder standen fast Schlange, um ein Foto mit ihm zu machen. Die indischen Frauen gehen nur vollbekleidet im Meer baden. Daher kommt wohl auch das Interesse an den Touristinnen, die natürlich im Bikini am Strand liegen.

Am Dienstag Nachmittag ging es dann wieder mit dem Bus zurück nach Chennai. Der Bus war allerdings so voll, dass wir die ganze Fahrt über stehen mussten. In Indien dürfen immer zuerst Frauen und alte Menschen sitzen, so dass Alex und ich schlechte Karten hatten. In Chennai wussten wir dann nicht so wirklich, wo wir aussteigen sollten. Ein Mitfahrer hat uns dann aber geholfen und uns die Haltestelle verraten, die am nächsten am Flughafen ist. Auf die Frage, ob wir da irgendwo etwas essen könnten, hat er uns erklärt, dass ein paar hundert Meter von der Haltestelle entfernt das Le Royal Meridien sei, wo man sehr gut essen könne. Wir haben uns nichts weiter dabei gedacht, bis wir vor einem riesigen fünf-Sterne-Super-Luxushotel standen! Das Meridien ist das Beste Hotel in Chennai mit Zimmerpreisen ab 250€. Und wir hatten kurze Hosen, dreckige T-Shirts und Flip-Flops an und haben gerade 3 1/2 Stunden in einem heißen Bus gestanden. Man kann sich ja ungefähr vorstellen, wie das Bild aussah. Wir wurden allerdings behandelt wie ganz normale Gäste. Der Portier an der Tür hat uns zum Restaurant geleitet, das sowohl ein riesiges Buffet, als auch á la Carte angeboten hat. Das Essen und der Service waren erstklassig und das tolle an Indien ist, dass man sich die Restaurants immer leisten kann, egal wie edel sie sind. Wir haben zusammen 1400 Rupees (~26€) bezahlt, was für Indien natürlich immens teuer ist, aber im Vergleich mit Deutschland günstig. Ein Entertainer hat sogar im Restaurant auf einem Keyboard gespielt und dazu gesungen.

Aus dem Meridien ging es dann direkt in eine Rikscha, um dann zum Flughafen zu fahren und mit KingFisher Airlines zurückzufliegen. KingFisher ist eigentlich eine indische Biermarke, die aber irgendwann eine Airline gegründet hat. Sie gehört sogar zu einen der Besten indischen Airlines für Inlandsflüge, allerdings auch nicht zu den Billigsten. Bier gibt es auf dem Flug aber nicht!