Dienstag, 23. Oktober 2007

Viele, viele, viele Menschen...

Letzten Sonntag ging es früh morgens um 4:45Uhr nach Mysore. Die Stadt ist ca. 150 Kilometer von Bangalore entfernt und ist bekannt für ihren Palast und dem Chamundi Hill, auf dem ein Tempel thront. An dem Tag unseres Besuchs gab es allerdings noch eine große Parade als Abschluß eines einwöchigen Festivals.

Wir waren zu elft, ein Koreaner und zehn Deutsche. Wir haben uns einen eigenen Kleinbus mit Fahrer gemietet. Als Erstes ging es auf dem Chamundi Hill, der schon sehr überfüllt war. Vor dem Tempel war eine riesige Schlange und man sagte uns, dass man drei Stunden anstehen muss. Wir waren aber eh nicht daran interessiert, den Tempel von innen zu sehen, weil die sich für uns meistens nicht sehr unterscheiden. Und da die meistens von uns auch nicht an der Geschichte irgendwelcher Tempel interessiert sind, reicht es, wenn man einen von innen gesehen hat.

Zu Fuß ging es dann den Berg wieder herunter, wo ich zum ersten Mal hier in Indien Spinnen gesehen habe, die größer als die deutschen Exemplare waren. Wenn mich mein arachnologischen Minimalwissen nicht täuscht, dann handelte es sich um Radnetzspinnen, die bekannt dafür sind, von allen Spinnen die größten Netze zu spinnen. Am Ende des Weges gab es dann noch eine große Kuhstatue aus Stein zu bestaunen.

Daraufhin ging es dann mit unserem Bus in die Stadt. Dort angekommen, haben wir versucht ein Restaurant zu finden. Dies war jedoch schwieriger als gedacht, so dass wir am Ende in einem sehr einfachen indischen Restaurant gelandet sind. Dort gibt es meist eine sehr beschränkte Auswahl von Gerichten mit lustigen Namen wie "Masala Dosa" oder "Igli" (oder auch "Igittli" ;-) ). Dafür ist es günstig: Wir haben zusammen nur 240 Rupees gezahlt (unter 5€). Nach dem Essen konnten wir dann noch einen Blick in die Küche werfen, da man durch sie hindurch gehen musste, um die Toilette zu erreichen. Gut, dass wir schon gegessen hatten :-)

Wir hatten noch zwei Stunden Zeit bis zur Parade, aber schon jetzt waren die Straßen voller Menschen. Und die Sonne knallte gnadenlos auf uns herab. Uns verging schnell die Lust, uns mit den ganzen Leuten an die Paradenstraße zu quetschen. Aber wir sind ja nicht auf den Kopf gefallen. Wir haben ein paar Leute gefragt, wie man auf eines der Häuserdächer kommen kann und schnell jemanden gefunden, der uns für 100 Rupees pro Kopf auf eines der Dächer bringen wollte. Zu siebt haben wir uns dann in eine Rikscha gequetscht. Unser bisheriger Rekord, worüber meine Arbeitskollegen aber nur müde gelächelt haben und von 15 bis 20 Personen in einer Rikscha erzählten. Dann standen wir vor einem Rolltor und der Typ hat versucht, die Leute im inneren zu überreden, das Tor zu öffnen. Wir hatten schon fast die Hoffnung aufgegeben, doch plötzlich öffnet sich das Tor einen Meter. Sofort strömten dann ca. 50 Inder und wir durch die kleine Öffnung und hetzten die Treppe hoch. Vom Dach aus hatten wir eine super Aussicht. Die Parade war aber bis auf die Elefanten nicht der Brüller. Die Tanzeinlagen sahen meist recht unprofessionell aus und die politischen Themen der Wagen haben wir nicht verstanden. Kurios war, dass von den ca. 100 Indern auf dem Dach kein einziger daran gedacht hatte, Wasser mitzunehmen. Daher standen die ganze Zeit Inder um uns herum und haben nach Wasser gebettelt. Wir haben sie gefragt, warum sie denn nicht an Wasser gedacht hätten, schließlich müssten sie doch wissen, dass es heiß wird. Wir haben aber nie eine Antwort bekommen.

Indien - Mysore


Viel interessanter als die Parade war es, die Menschenmenge zu beobachten. Man sah nirgendwo mehr ein freies Fleckchen. Die ersten paar Reihen direkt an der Paradenstraße mussten sitzen und wenn die Leute es gewagt haben aufzustehen, dann kam gleich ein Polizist an und prügelte mit einem ein Meter langen Stock auf die Leute ein. Das war schon krass zu sehen.

Nach der Parade sind wir dann zurück zum Bus gelaufen und haben uns auf den Heimweg gemacht. Eigentlich wollten wir uns noch den Palast bei Nacht anschauen, aber wir wollten auf jeden Fall verhindern, stundenlang im Stau zu stehen. In Bangalore sind wir dann zum Abschluß in ein Steakhaus gegangen und das Steak war bestimmt in den Top drei der besten Steaks, die ich je gegessen habe.

Die Rikscha-Suche gestaltete sich dann mal wieder als sehr schwierig. Die erste Rikscha hat nach 300 Metern wieder angehalten, weil dem Fahrer dann eingefallen ist, dass es ihm doch zu weit sei. Andere Fahrer wollten von uns den vierfachen Normalpreis haben. Nach endlosen Diskussionen haben wir dann eine Rikscha zu einem so gerade akzeptablen Preis bekommen.

Ich hoffe, dass der Rikscha-Stress bald vorbei ist, da ich mich bei einem Service registriert habe, bei dem man per SMS eine Rikscha rufen kann. Diese Rikscha-Fahrer sind bei dem Unternehmen registriert und müssen einem zum Normalpreis fahren, sonst kann man sich bei dem Unternehmen beschweren. Der Service ist allerdings neu und ich weiß noch nicht, ob er funktioniert.

Nächstes Wochenende geht es auf ein Oktoberfest im Leela Palace mit einer echt deutschen Live-Band. Da bin ich mal gespannt.